Ich bin dann mal im Keller
Hier mein Beitrag für HoSi´s Blog Karneval "Senioren berichten über
Erfahrungen mit Computer und Internet".
Da muss ich weit ausholen: Computer sind ja maschinelle Rechner und
rechnen so, wie es der menschliche Rechner will. Ein Mensch kann aber
nur dann zufriedenstellend rechnen, wenn er den Zahlbegriff und ein
mathematisches Verständnis erworben hat.
Diese können in der Schule z.B. durch das Hantieren mit farbigen
Rechenstäben gefördert werden. Selbst hatte ich dieses Hilfsmittel in
der Schule leider noch nicht.
Unsere "Rechenmaschine" bzw. "Computer" war der Rechenschieber z. B.
für Multiplikations- u. Divisionsaufgaben.
Für Additionsaufgaben benutzte ich später diesen mechanischen
Additiator, der auf der Rückseite auch subtrahieren konnte.

Mitte der Sechziger Jahre rechneten wir dann im Rechenzentrum. Dazu
mussten Programme z. B. in der Computersprache Algol entworfen und auf
Lochkarten gestanzt werden. Die Computersprache Algol erlernte ich,
indem mir ein Assistent einen Ausdruck zur Berechnung eines
Korrelationskoeffizienten zeigte.
1968 holten wir uns dann ein eigenes "Rechenzentrum" ins Haus. Mein
Chef schaffte den ersten Tischrechner der Welt mit Transistoren an,
eine IME 86S.
Die IME-Anlage wurde auch mit Lochkarten programmiert, hatte
Kernspeicher und gab die Daten rasend schnell auf eine elektrische
Adler-Schreibmaschine aus.
1980 kaufte ich mir meinen ersten Computer hauptsächlich zur
Textverarbeitung; einen Altos ACS 8000. Obwohl der Z80A-Prozessor nur
mit 4MHZ-Geschwindigkeit lief, und es keinen Speicher und kein
Textverarbeitungsprogramm gab, konnte ich sehr effektiv ein ganzes
Handbuch (Psychologie für Erwachsenen- und Weiterbildung) damit
erstellen. Zur Texterstellung wurde einfach der Editor der
UCSD-Programmiersprache verwendet; nicht sehr komfortabel, aber es gab
ja nichts Besseres.
Man sieht, dass dieser Rechner mit CP/M Betriebsystem noch funktioniert.
Zum Textausdruck verwendete ich den Typenrad-Drucker Diablo 630 (ca.
7.000 DM; ganze Anlage fast 30.000 DM).
Unglaublich, wie schnell sich das Typenrad in die jeweilige Position
drehen musste.
Durch die jahrelange Tastaturbenutzung hat mein Daumenballen die rauhe
Tastaturoberfläche spiegelblank gewienert.
Auf diesen großen 8-Zoll-Disketten (20x20 cm) konnten bis zu 2 MB
gespeichert werden.
Mit diesem Computer NCR DM V (ausgezeichnet mit einem Design-Preis)
begann der Übergang vom CP/M auf das MS-DOS (PC) System. Er konnte mit
beiden Systemen laufen und im Bildschirm wurden, wie beim heutigen
iMac, Laufwerke und Rechner untergebracht.
Mit dem Aufkommen von ersten Videorecordern konnten wir
videounterstützte Trainingskurse zum Unterrichtsverhalten von Lehrern
durchführen (Microteaching). In der kognitiven Phase zur Vorbereitung
auf das eigentliche Handlungstraining setzten wir computer- und
videounterstützte Lernprogramme erfolgreich ein. Hierzu steuerte ein MS
8086-Computer einen Umatic-Videorecorder, indem auf der 2. Tonspur
Markierungen gesetzt wurden, an denen sich der Computer orientierte.
Mitunter dauerte das Vor- und Zurückspulen des Bandes sehr lange, aber
die Nutzer waren damals sehr geduldig. Der Monitor konnte sowohl Video-
als auch Computersignale empfangen und wurde durch den Computer jeweils
umgeschaltet.
Dieses Lehrertraining war zwar sehr erfolgreich, kam jedoch im Jahre
1985 für die Lehrerausbildung zu früh!! Wir konzentrierten uns deshalb
mehr auf das Training von Managern.

Das Lernen mittels dieser neuen Technik wurde in vielen
Arbeitsbereichen von uns installiert und evaluiert, z.B. bei der
Deutschen Bundespost, großen Automobilfirmen oder wie auf dem unteren
Bild im Motorenwerk Salzgitter der VW AG. Hier erklärt der Meister
einigen Mitarbeitern was CNC-Technik ist und lässt Filme und
Informationen von unserem System abspielen, welches in einer fahrbaren
Säule eingebaut wurde.
1995 wurde das System in eine mit einem Touchscreen versehene
Informationssäule für das Staatstheater Braunschweig eingebaut. Dieses
erste multimediale Theater-Informationssystem in Deutschland stand
jahrelang im Theaterfoyer und präsentierte fast alle
Theaterproduktionen. Die 1,5-minütigen Videoclips wurden selbst
produziert und im eigenen Videostudio geschnitten.
Zur Expo 2000 wurde das Infos-System mit 15 Säulen zum Kulturatlas der
Region erweitert. Es wurden 15 bedeutende kulturelle Einrichtungen der
Region präsentiert. Aus finanziellen Gründen konnte das Projekt nicht
fortgeführt werden. Nur das Theaterprojekt blieb bis heute bestehen
und nur als Internetpräsentation (www.kulturatlas.de)
Durch Umzug unseres Fachbereichs in einen Neubau hatte ich 2003 die
Gelegenheit, einen Multimedia-Schulungsraum für optimales Lernen
einzurichten. Er besteht aus drei Lerninseln und einem Lehrerplatz,
welche alle in einem sog. pädagogischen Netz miteinander verbunden
sind. Die Bildschirme sind im Tisch versenkt; die Technik sollte
unauffällig im Hintergrund bleiben. Somit sind auch computerlose
herkömmliche Lehr-Lernphasen möglich.
Als Lehrender hatte ich mit einem interaktiven Smartboard ideale
Lehrmöglichkeiten: Präsentation meines Laptopbildschirms auf das Board
und/oder auf alle Schülerbildschirme. Auch einzelne Schülerbildschirme
konnten vorn und überall gezeigt werden. Weiterhin konnten
handschriftliche Smartboard-Notizen auf dem Computer zur späteren
Verwendung gespeichert oder den Studierenden per Mail zugeschickt
werden.
Auch nach meiner aktiven Berufszeit habe ich die "Computerei" nicht
aufgegeben und sie mit meinen kulturellen Interessen, insbesondere
Oper, verbunden. (www.rossinigesellschaft.de; www.belcantoblog.de;
www.dig-niedersachsen.de). Neu und bereichernd für mich ist die Vernetzung mit Gleichgesinnten über Internet im Angebot "Senioren-Lernen-Online" von Horst Sievert.
Computermäßig versuche ich, immer aktuell zu
bleiben und bin jetzt nach dem CP/M- und MS-DOS-System beim OS X-System
"gelandet". Mein neuester Supercomputer ist so klein, dass ich ihn
bequem in der Westentasche mitnehmen kann. Super!!

Auf keinen Fall sollte man Lerntypen, wenn überhaupt, über das Alter definieren. Die individuellen Lerngeschichten vor allem älterer Personen sind so extrem unterschiedlich, dass die Variablen "Alter" und ebenso "Geschlecht" wenig darüber aussagen, wie eine Person lernt und welche Lehrmethoden für sie geeignet sind.
Als Lernender im Computerbereich hatte ich keine "Lehrmeister". Beim Versuch, den Computer optimal als Lernhelfer einzusetzen, musste ich mich bei allen Schwierigkeiten allein "durchbeißen". Motiviert und fasziniert hat mich die Aussicht, die neuen Medien sinnvoll einzusetzen.
Meine eigenen Erfahrungen aus der Sicht eines Lernenden und Lehrenden, die ich weitergeben möchte, sind allgemein und richten sich aus den oben genannten Gründen nicht speziell an Senioren. Im Umgang mit den neuen Medien halte ich folgende Punkte für wichtig:
- Einstellung zum lebenslangen Lernen. Wer sagt "Jetzt habe ich genug gelernt" oder "Das brauche ich nicht mehr", wendet sich frustriert von neuen Medien ab, kann das Potential dieser Medien weder beurteilen noch beherrschen und ist nicht in der Lage, seinen eigenen persönlichen Nutzen aus dem Internetangebot zu ziehen.
- Eigenaktivität. Als Lehrender sollte man mehr die Rolle des Lernbegleiters einnehmen. Nicht nur "Reden", "Vormachen", und "in die Tasten greifen", sondern Auswahl von geeigneten Projekten, welche die Eigenaktivität der Personen anregen.


















